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Nahrung >>> Grundsätzliches
Ernährung von Kaninchen
Ein Blick in die Regale des Zoohandels zeigt, wie die Ernährung unserer Kaninchen zuhause aussehen soll. Da gibt es die unterschiedlichsten Futter, jedem Anspruch wird genüge getan. Es gibt Futter für Jungtiere, für Tiere im besten Alter, für Senioren, für das übergewichtige Kaninchen. Es gibt zusätzlich noch jede Menge Leckereien, die unseren Kaninchen das Dasein versüßen sollen. Drops in den verschiedensten Geschmackrichtungen, Kräcker in allen Variationen, Kekse, Kuchen, Bisquits und vieles mehr.
Der Tierhalter ist überzeugt davon, dass all das genau auf das Wohl seiner Tiere abgestimmt ist.
Liegt er damit aber wirklich richtig? Schauen wir uns einmal die – leider immer sehr klein gedruckte – Inhaltsangabe auf den Futterschachteln an. Die Reihenfolge der Auflistung zeigt, in welcher Menge ein Inhaltsstoff enthalten ist. An erster Stelle steht meist Getreide. Prima, denkt sich der Tierhalter. Getreide ist gesund. Mensch soll ja auch viel Vollkorn essen. Weiter hinten in der Inhaltsangabe tauchen dann solche ominösen Bezeichnungen wie „Bäckereinebenerzeugnisse“ auf. Was ist denn nur darunter zu verstehen? Genau das, was das Wort aussagt – all das, was bei der Produktion mit anfällt und nichts im eigentlichen Produkt zu suchen hat. Also Getreidehülsen zum Beispiel.
Weiteres aus den Inhaltsangaben: Hefe, Fette, Gewürze, Zucker, Melasse. Der garantierte Gemüse- oder Obstinhalt bewegt sich meist unterhalb der 5% und müsste somit eigentlich nicht mehr deklariert werden.
Man sieht, im industriell gefertigten Futter ist jede Menge enthalten – ist aber auch jede Menge gesundes enthalten?
Mit dieser Frage kommt man zwangsläufig auf den wilden Verwandten unserer Hauskaninchen – das Wildkaninchen. Wurde in den letzten Jahrzehnten auch massiv am Äußeren der Hauskaninchen gearbeitet, der Organismus folgt nach wie vor denselben Regeln wie beim Wildkaninchen.
Wildkaninchen ernähren sich bevorzugt von Gräsern und Zweigen. Diese enthalten wenig Kalorien und bedeuten lange Kauzeiten. Das Wildkaninchen muß also ständig fressen, um zum einen satt zu werden und zum anderen seine Verdauung in Form halten zu können. Im Gegensatz zum Menschen verfügen Kaninchen über einen kaum bemuskelten Magen. Der Nahrungsbrei kann nur durch ständigen Nachschub „von oben“ weiter befördert werden. Stillstand bedeutet, dass der Nahrungsbrei im Magen verbleibt und dort anfängt zu gären. Der Beginn der gefürchteten Trommelsucht.
Des weiteren haben Kaninchen wurzeloffene Zähne, die lebenslang wachsen. Im Schnitt beträgt das Wachstum 0.3mm/Tag. Man kann sich also vorstellen, was geschieht, wenn Kaninchen auch nur kurze Zeit nicht fressen – die Zähne wachsen übermäßig, es bilden sich Haken und im schlimmsten Fall sogar Brücken zwischen linker und rechter Kieferseite. Gleichzeitig liegt die Verdauung lahm, der verbliebene Nahrungsbrei im Magen beginnt zu gären, das Kaninchen bekommt Blähungen, eventuell Koliken, Verstopfung oder Durchfall.
Erste Grundregel in der Kaninchenernährung heißt also: es muß immer etwas zu fressen vorhanden sein.
Wann fressen aber Kaninchen dauerhaft? Nur dann, wenn die Nahrung kalorienarm ist. Getreideprodukte sättigen aber sehr schnell, der oben beschriebene Effekt setzt ein.
Dazu kommt noch, dass Kaninchen nicht in der Lage sind, mit dem aus der Getreidestärke umgewandelten Zucker umzugehen. Es kommt über die Zeit zu Organverfettungen und Übergewicht und gleichzeitig zu einer Fixierung der Tiere auf die schmackhaften, süßen Getreideprodukte.
Es kann passieren, dass man seine Kaninchen über Jahre hinweg mit getreide- und zuckerlastigem „Junkfood“ aus dem Zoohandel füttert und nichts geschieht. Es gibt jedoch unzählige Kaninchen, v. a. in Tierheimen, die Opfer einer solchen Fütterung sind. Zahnprobleme, Verdauungsprobleme, Fixierung auf das bekannte Futter. Verweigerung von Heu und damit ein ewiger Teufelskreis.
Die ideale Kaninchenernährung sollte sich also an der Ernährung der Wildkaninchen orientieren um Gesundheitsprobleme zu vermeiden.
Wie sieht das im Detail aus?
- Heu muß rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Man kann bei allem sparen, aber nicht beim Heu. Es ist das Grundnahrungsmittel für unsere Kaninchen, da wir keine ausschließliche Grasfütterung bieten können.
- Zusätzlich bereichern Zweige von Laubbäumen und Kernobstbäumen den Speiseplan. Im Winter können auch Nadelzweige gegeben werden
Kaninchen sind in der Lage, alle benötigen Vitamine selbst herzustellen, sie benötigen zum Überleben also keinerlei synthetisierte Vitamine. Trotzdem lieben sie Gemüse und Obst und sollten davon selbstverständlich auch bekommen. Wobei Gemüse hier der Vorzug gegeben werden sollte. Obst enthält Fruchtzucker und dieser kann bei zu reichlicher Fütterung zu Verdauungsproblemen führen. Dasselbe gilt für stark vitaminhaltige Früchte wie beispielsweise Kiwi.
Da Kaninchen eine so empfindliche Verdauung haben, müssen sie langsam an Frischfutter gewöhnt werden. Man gibt täglich eine kleine Menge EINES Frischfutters. Stellen sich keine Probleme ein, kann man die Menge langsam erhöhen und den Speiseplan allmählich ausweiten. Neue Sorten sollten aber immer erst in kleinen Mengen „angetestet“ werden.
Was kann man nun füttern, wenn man dem industriell gefertigten Futter ausweichen möchte?
- Karotten mit Grün
- Sellerie
- Rote Bete
- Fenchel
- Grünkohl
- Spinat (enthält Oxalsäure, die die Kalziumaufnahme hemmt. Nicht täglich füttern)
- Mangold (enthält Oxalsäure, siehe Spinat)
- Maispflanzen
- Sonnenblumenpflanzen
- Topinambur (ganze Pflanze)
- Löwenzahn
- Spitz- und Breitwegerich
- Gräser (nicht von Straßenrändern, Hundewiesen etc.)
- Küchenkräuter wie Petersilie, Basilikum, Melisse, Minze, Dill ....
- Hirse
- Apfel (Frucht, Zweige, Blätter)
- Birkenzweige und –blätter
- Buchenzweige und –blätter
- Haselzweige und –blätter
- Weidenzweige und –blätter
Man sieht – man kann getrost an den verlockenden Regalen des Zoohandels vorbeigehen. Nur die Werbung lässt uns glauben, dass man all die angebotenen Produkte dringend für das Wohl des Tieres benötigt.
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erstellt 20.06.2004 von Nera | überarbeitet am 20.10.2004 von ID: 9 | SID: 3000-0
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