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Die Sache mit dem Nachwuchs



Nachwuchs, ja oder nein?

Im Gegensatz zu Sittichen benötigt man bei Nachwuchsplänen bei Kaninchen und Meerschweinchen keine behördliche Erlaubnis und auch keine Züchterprüfung. Jeder, der Männchen und Weibchen hat, darf sie sich paaren lassen und den Nachwuchs verkaufen.

In manchen Landkreisen muß zwar eine Zucht mit mehr als fünf weiblichen Tieren dem Veterinäramt gemeldet werden, aber die Einhaltung wird leider so gut wie nie überprüft, so dass es oft kaum nachvollziehbar ist, aus was für einem Stall die Tiere kommen.

Und hier beginnen dann schon die Probleme mit dem Vorhaben „einmal Junge haben“. Denn damit fängt es doch meist an. Man hat zwei schöne Tiere, oder weiß von jemand, der „genau das passende“ Gegenstück hat und fängt an, vom Tiernachwuchs zu träumen. Junge Meerschweinchen und Kaninchen sind unbestreitbar süß, aber man sollte es sich sehr sehr gut überlegen, ob man wirklich neue Tiere in die Welt setzen muß.

Die Tierheime sind in den letzten Jahren zunehmend Auffangstellen für Kleine Heimtiere geworden. Egal wo man sich umsieht, man wird überall nicht mehr gewollte Heimtiere in jedem Alter, Farbe, Geschlecht finden. In dieser Situation weitere Tiere zu provozieren, deren Zukunft ungewiß ist, ist verantwortungslos.

Wenn man nun aber unbedingt möchte, dass die eigenen Tiere Nachwuchs haben, sollte dieses Vorhaben von Anfang an gut geplant werden.

Wichtige Voraussetzungen

Kaninchen werden sehr früh geschlechtsreif, bereits mit 10 Wochen ist es soweit. In diesem Alter sind die Tiere aber noch nicht reif für eigenen Nachwuchs. Wenn so junge Tiere selbst schon mit Trächtigkeit, Geburt und Jungenaufzucht konfrontiert werden, geschieht es oft, dass sie verwerfen, nicht genügend Milch produzieren können oder ganz einfach mit dem Nachwuchs überfordert sind und die Jungen verstoßen.

Zu alt dürfen die Tiere bei ihrem ersten Wurf aber auch nicht sein, da bei beiden Tierarten das Becken bis zum 12. Lebensmonat verknöchert und eine Geburt so kaum mehr möglich ist.

Der ideale Zeitpunkt für die erste Geburt liegt also zwischen dem 6. und 8. Lebensmonat. Des weiteren spielt auch noch das Gewicht eine ausschlaggebende Rolle. Die Weibchen sollten nicht zu leicht und nicht zu schwer sein, da beides zu Problemen während der Trächtigkeit führen kann. Ein zu leichtes Weibchen wird durch die Trächtigkeit völlig ausgezehrt, bei einem zu schweren Weibchen steigt die Gefahr einer Toxikose.

Beim Bock bzw. Rammler gibt es keine solchen Voraussetzungen, allerdings kommen zu junge männliche Tiere oft nicht zum Bespringen, da sie von den Weibchen einfach nicht ernst genommen werden. Ein erfahrenes oder zumindest ausgewachsenes männliches Tier erleichtert die Paarung.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, sollte ein Auge auf die Rasse der Tiere geworfen werden. Manche Rassen verfügen über einen Letalfaktor, der bei einer Verpaarung dringend berücksichtigt werden muß. So dürfen z. B. niemals Dalmatinermeerschweinchen mit Dalmatinermeerschweinchen oder Schimmelmeerschweinchen mit Schimmelmeerschweinchen oder Dalmatiner mit Schimmel gekreuzt werden. Die Jungen haben dann einen doppelten Letalfaktor und kommen entweder tot oder missgebildet zur Welt. Da die Dalmatiner- oder Schimmelzeichnung oft nicht klar zum Tragen kommt bzw. in einem solchen Wurf auch einfarbige Tiere fallen, ist es gut möglich, dass ein einfarbiges Tier, das nur ein einziges, weißes Haar aufweist, den Letalfaktor trägt.

Bei Tieren aus einer gut geführten Zucht kann man anhand des Stammbaumes überprüfen, ob es von Dalmatinern oder Schimmel abstammt. Bei Tieren aus dem Zoohandel ist dies nicht möglich und es sollte deshalb sehr sehr gut überlegt werden, ob man mit solchen Tieren weiter vermehrt.

Bei Tieren aus dem Zoohandel oder aus anderweitigen nicht klar durchschaubaren Quellen kann man auch nicht sicher sein, ob es sich nicht um Tiere aus Inzuchtverpaarungen handelt. Bei einer solchen Verpaarung, in Zuchtkreisen in eingeschränkter und per Stammbaum nachvollziehbarer Weise auch als „Linienzucht“ verwendet, geschieht lange Zeit nichts. Die Tiere sind vielleicht etwas kleiner, etwas leichter, aber gesund. Nur irgendwann einmal treten Schäden auf, die Tiere kommen behindert, tot oder missgebildet zur Welt und man fragt sich dann zu spät, ob man so etwas nicht hätte vermeiden sollen.

Beim Kaninchen sollte man davon absehen, Schecken zu züchten, da diese Rassen im Alter mit Nierenproblemen zu kämpfen haben und bereits als Qualzucht eingestuft werden. Auch sollten Widder mit sehr langen Ohren nicht zur Vermehrung verwendet werden, da zu lange, auf dem Boden aufstoßende oder schleifende Ohren den Tieren ständig Probleme bereiten. Im Hinblick auf die immer stärker auftretenden Probleme mit Kiefer- und Zahnfehlstellungen sollte auf alle Fälledarauf verzichtet werden, Kaninchen mit extrem rundem Kopf zur Zucht einzusetzen.

Verlauf von Trächtigkeit und Geburt

Beim Kaninchen gibt es keinen Zyklus, die Zibbe ist jederzeit aufnahmefähig, sobald sie ein Rammler bespringt und durch den Nackenbiß den Eisprung auslöst.

Im Gegensatz zum Meerschweinchen sollten Rammler und Zibbe während der Trächtigkeit nicht zusammenbleiben, da eine Häsin in trächtigem Zustand sehr rabiat werden kann. Und genau wie beim Meerschweinchen kann eine Häsin noch am Tag der Geburt wieder erfolgreich gedeckt werden.

Die Tragzeit beim Kaninchen beträgt 28-32 Tage. Kurz vor der Geburt baut das Weibchen aus Heuhalmen und ausgezupfter Unterwolle ein Nest. Spätestens jetzt sollte der Rammler zu seiner eigenen Sicherheit ausziehen.

Die Geburt findet auch hier meist in der Dämmerung statt. Mensch bemerkt davon nichts, weil alles im gut abgeschlossenen Nest von statten geht.

Eine Häsin säugt nur zweimal am Tag, ansonsten kümmert sie sich nicht um ihren Nachwuchs, der nackt, blind und taub zur Welt kommt. Die ersten drei Wochen bleiben die Kleinen im Nest und entwickeln sich. Es ist anzuraten, einmal täglich in Abwesenheit der Häsin zu kontrollieren ob alle Jungen gesäugt werden. Das ist an den prallen Milchbäuchlein gut zu erkennen.

Auch wenn die Häsin sich augenscheinlich kaum um ihre Jungen kümmert – das Nest wird mit Zähnen und Krallen verteidigt. Zu häufige Störungen können sogar dazu führen, dass die Häsin ihre Jungen tötet, da sie in der turbulenten Umgebung keine Überlebenschancen für die Kleinen sieht.

In der dritten Lebenswoche haben die kleinen Kaninchen Fell bekommen und die Augen öffnen sich. Nun ist es mit der Ruhe der Häsin vorbei, denn jetzt verlassen die Kleinen das Nest und erkunden ihre Umgebung.

Obwohl die Kleinen noch gesäugt werden, beginnen sie jetzt damit, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Ein spezielles Futter für junge Kaninchen ist nicht notwendig, auch eine besondere Schonung nicht. Die Kleinen probieren in winzigen Mengen all das, was ihre Mutter ihnen zeigt und trainieren so ihr Verdauungssystem.

Mit 10 Wochen beginnt bei den Kaninchen die Geschlechtsreife. Bei den Rammlern senken sich die Hoden ab und sie sollten nun bereits kastriert werden. Rammler sind unkastriert leider unverträglich und zur Einzelhaltung verdammt. Die Frühkastration schadet den Tieren nicht und sie können ohne die sechswöchige Kastrationsquarantäne der geschlechtsreifen Tiere in der Gruppe bleiben.



erstellt 26.06.2004 von Nera | überarbeitet am 06.09.2004 von ID: 14 | SID: 7000-0
Leserkommentare und Beiträge

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Moni schrieb am: 17. Dezember 2005

Möchte etwas berichtigen
Es ist absolut falsch, dass sich die Augen erst in der 3 LW öffnen, das wäre sogar fatal und das Kaninchen vermutlich erblindet. Die Augen öffnen sich am 10 bis 12 Tag und sollten sie dann nicht von alleine sich öffnen, sollte man unbedingt nachhelfen. Auch haben die Babys viel früher ihr Fell. Ich finde der Artikel sollte noch einmal überarbeitet werden. Ansonsten finde ich die Hp sehr gut. Alles Liebe ! Moni


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